Dauerhafte dissoziation psychologie

Der Begriff Dissoziation beschreibt in der Psychologie die Trennung von Wahrnehmungs- und Gedächtnisinhalten, welche normalerweise assoziiert sind. Hierdurch kann die integrative Funktion des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der Wahrnehmung und der Identität beeinträchtigt werden. Erläuterung Im Gehirn wird eine Erlebensspur aus einer Vielzahl von Eindrücken, nämlich visuellen, auditiven, taktilen, olfaktorischen, gustatorischen, propriozeptiven und kinästhetischen Signalen generiert.

Hierfür müssen die an unterschiedlichen Orten im Gehirn eintreffenden Signale verarbeitet und integriert werden. Die dabei entstehende Erlebensspur wird nach Raum und Zeit geordnet und im Gedächtnis gespeichert. Aufgrund der hohen Verarbeitungs- und Integrationsfähigkeit des menschlichen Gehirns werden diese unterschiedlichen Prozesse vom Individuum als Einheit erlebt. In Wirklichkeit jedoch sind viele Faktoren notwendig, damit mentale Prozesse und Inhalte miteinander verbunden werden können und somit diese erlebte Einheit erhalten bleibt.

Sind zwei oder mehr mentale Prozesse oder Inhalte nicht mehr miteinander verbunden, obwohl dies normalerweise der Fall ist, so spricht man von Dissoziation. Diese kann im Alltag als normales dissoziatives Phänomen vorkommen, aber auch als psychische Störung auftreten und die Funktionsfähigkeit des Individuums erheblich beeinträchtigen.

Beispiele für dissoziative Alltagsphänomene: Ein Marathonläufer blendet in einer Art von Trance seine Schmerzen aus. Ein Computerspieler ist während des Spiels so tief versunken, dass er zeitweilig das Gefühl für die verstrichene Zeit verliert. Ein Student erleidet während einer langweiligen Vorlesung eine kurze Erinnerungslücke, weil er seine Aufmerksamkeit nicht fokussiert.

Beispiele für dissoziative Störungen: Bei einem Traumaopfer wechselt die Erinnerungsfähigkeit an das traumatische Erlebnis ungewöhnlich stark. Ein Vergewaltigungsopfer hat noch nach Jahren psychogene Schmerzen im Unterleib, obwohl das auslösende Ereignis aufgrund einer traumatisch bedingten Amnesie nicht erinnerbar ist. Diagnostik Die durch Dissoziation hervorgerufenen Phänomene und Symptome weisen eine enorme Spannbreite auf.

Während einige Betroffene eine Beeinträchtigung insbesondere des autobiografischen Gedächtnisses oder des Identitätserlebens oder der Wahrnehmung beschreiben, führt die Dissoziation bei anderen Betroffenen zu Bewegungsstörungen, Schmerzstörungen oder Krampfanfällen.

Dissoziative Identitätsstörung - Spezialisten und Informationen

Dabei können die beobachtbaren Symptome denen von neurologischen Erkrankungen epileptischen Anfällen, Demenz usw. Es besteht folglich Verwechslungsgefahr, denn als innerpsychischer Vorgang ist die Dissoziation keiner direkten Beobachtung zugänglich. Dass Symptome auf Dissoziation zurückzuführen sind, muss deswegen durch Ausschluss anderer Erklärungsmöglichkeiten z.

Da sowohl den dissoziativen Störungen, wie auch den Konversionsstörungen sowie den somatoformen Störungen komplexe Konzepte zugrunde liegen, sind diese Begriffe nur schwer gegeneinander abgrenzbar und werden zur Zeit noch je nach Nomenklatursystem in unterschiedliche Störungsgruppen eingeteilt und zusammengefasst.

Beispielsweise wird im ICD nicht zwischen dissoziativen Störungen und Konversionsstörungen unterschieden. Trotzdem werden in der Literatur diese Begriffe häufig weiterhin unterschiedlich verwendet.

Dissoziative Störungen

Von Konversion wird in der Literatur eher dann gesprochen, wenn ein Konflikt wie z. Von Dissoziation wird in der Literatur oft dann gesprochen, wenn ein nichtintentionaler und autoregulativer Verarbeitungsmechanismus des belastenden Ereignisses stattfindet. Eine Festlegung in Bezug auf die symptomverursachenden innerpsychischen Prozesse wird bei diesem Begriff nicht getroffen.

Abzugrenzen ist der Begriff der Dissoziation von dem Begriff der Verdrängung, welcher auf ein Modell Freuds zurückgeht. Während beim Konzept der Verdrängung ein nicht bewältigbar scheinender Konflikt ständig verdrängt gehalten wird, wird beim Modell der Dissoziation davon ausgegangen, dass manche Erlebnisse gar nicht erst auf bewusster Ebene erscheinen. Demgegenüber umfasst Konversion somatische, also sensorische und motorische Phänomene.

Das allgemeine Kennzeichen der dissoziativen oder Konversionsstörungen besteht danach in teilweisem oder völligem Verlust der normalen Integration der Erinnerung an die Vergangenheit, des Identitätsbewusstseins, der Wahrnehmung unmittelbarer Empfindungen sowie der Kontrolle von Körperbewegungen. Der Verlust dieser Fähigkeiten kann von Stunde zu Stunde unterschiedlich ausgeprägt sein.

Geschichte Das Dissoziationsmodell hat sich im Jahrhundert aus der Assoziationspsychologie entwickelt und wurde anfangs zur Interpretation von Hysterie, Vorgängen bei Hypnose und von Beobachtungen von Verdoppelungen oder Vervielfachungen von Persönlichkeiten angewandt. Theorien um betrachteten vor allem das Trauma als Auslöser von Dissoziationen.

So beschrieb Pierre Janet Amnesien und Identitätsstörungen als seelische Krankheiten infolge eines Traumas. Nachdem es zwischen und deutlich weniger aktuell war, fand das Dissoziationsmodell ab wieder Beachtung. Dissoziation bedeutet eine Unterbrechung des Stroms des Bewusstseins, die Abspaltung von Gefühlen, Körperwahrnehmung und Emotionen, der Erinnerung, der Identität und der Wahrnehmung der Umwelt.

Nach neueren Forschungen 3 um werden die Psychosomatische Störung und Konversionsstörung dem Oberbegriff Somatoforme Dissoziation zugeführt und in Abgrenzung zur psychoformen Dissoziation den dissoziativen Störungen zugeordnet.

Fachartikel: Wenn die Seele splittert – Dissoziation als Überlebensmechanismus | Moses Online

Nijenhuis, Hart und Steele vertreten das durch neurobiologische Befunde unterstützte Konzept der Strukturellen Dissoziation. Patienten mit dissoziativen Störungen leiden oftmals unter chronischen Körpersymptomen, welche der Behandler als Dissoziationen seines Patienten verstehen sollte sowie als Zeichen der Desintegration der Gesamtpersönlichkeit.

Die Symptome sind hier das Ergebnis einer instinktiven Überlebensreaktion des Menschen, ähnlich der von Tieren, und erzeugen Erregungs- oder Betäubungszustände. Die Betrachtung der Endorphin-Neurotransmitter auf biochemischer Ebene zeigt ein neuartiges Verständnis der Dissoziation auf der Verhaltensebene. Dissoziative Störungen im medizinischen Nomenklatursystem ICD Im ICD werden unterschiedliche dissoziative Störungen Konversionsstörungen beschrieben.

Gemeinsames Merkmal ist, dass keine körperliche Krankheit nachgewiesen werden kann, welche die Symptome erklärt, und dass es einen zeitlichen Zusammenhang der Symptome mit belastenden Ereignissen, Problemen oder Bedürfnissen gibt. Dissoziative Amnesie Bei der dissoziativen Amnesie F Dissoziative Fugue Unter einer dissoziativen Fugue F Es besteht eine teilweise oder vollständige Amnesie für die gesamte Vergangenheit oder Teile davon besonders für traumatische Ereignisse.

Nach DSM-IV wird als zusätzliches Kriterium eine Verwirrung über die eigene Identität oder die Annahme einer neuen Identität gefordert. Letzteres ist jedoch selten der Fall. Wenn doch, dann ist die neue Identität meist durch mehr Geselligkeit und weniger Zurückhaltung gekennzeichnet. Die Dauer kann einige Stunden bis hin zu mehreren Monaten betragen.

Dissoziativer Stupor Beim dissoziativen Stupor F Die normale Muskelspannung, aufrechte Körperhaltung und Atmung sind jedoch erhalten, die Koordination der Augenbewegungen ist häufig eingeschränkt. Trance und Besessenheitszustände Hypnagogischer Zustand Trance ist der Zustand, in dem sich eine Person befindet, wenn eine Tranceinduktion, z.

Im allgemeinen Sprachgebrauch unterscheidet man zwischen: Alltagstrance und Problemtrance.