Troll-terrorist gibt es nicht psychologie
Zunächst Christinnen und Juden, später auch Musliminnen sowie Angehörige anderer und keiner Religion en kommen zusammen, um sich gemeinsam gegen Menschenfeindlichkeit und Verschwörungsmythen zu stellen. Sonntag hielt ich je vor jüdisch-christlich-islamisch-humanistischen Publikum den Festvortrag dazu in Karlsruhe, Dienstag in Pforzheim, Donnerstag las und diskutierte ich mit Dr.
Dani Kranz und Hanife Tosun in Köln. Und morgen Sonntag halte ich die Festrede zur Verleihung der Abraham-Plakette an engagierte Schülerinnen und Schüler der Tellkampfschule in Hannover. Gerade blogge ich aus dem Zug. Digitale Verrohung und Verschwörungsmythen im Netz. Doch glaube niemand, Arbeit für Dialog und Frieden treffe nur auf Zustimmung.
Wie schon seit Monaten begleiten mich Online-Beschimpfungen , von denen mir nicht selten Screenshots durch besorgte Freundinnen und Freunde übermittelt werden. Du dreckiger Hurensohn verflucht sei deine sippschaft. Entsprechend beruhige ich auch Freunde und Familie: Online-Hass und wirre Verschwörungsmythen sind längst Netz-Alltag.
Ich spreche ja mit vielen und kann sagen: Praktisch alle Personen des öffentlichen Lebens werden inzwischen durch um Bedeutung bettelnde Trolle, Verschwörungsverkünder, aber auch bezahlte Desinformanten und Fake-Accounts belagert. Wie der Buchdruck ab dem Jahrhundert und die elektronischen Medien Radio und Film ab dem Jahrhundert werden auch heute digitale Medien eben nicht nur für gute Zwecke verwendet, sondern auch für die Verbreitung von Hass, Sexismus, Rassismus und Antisemitismus.
Es fühlt sich seltsam — aber auch folgerichtig — an, dies auch selbst immer wieder am eigenen Leib zu erfahren. Längst bin ich es gewohnt, gehe offen damit um, speichere vieles, veröffentliche manches und leite Strafbares an die zuständigen Sicherheitsbehörden weiter. Meine Haltung dazu ist: Wenn wir uns von Trollen einschüchtern lassen, überlassen wir ihnen den öffentlichen Raum.
Und dann fahre ich Freitag früh ab Uhr von Köln zum Interview mit Wolfgang Heim bei SWR1 Leute. Da tickern Nachrichten aus Neuseeland ein: Ein offensichtlich rassistischer Terrorist griff Moscheen in Christchurch an und tötete Muslime, darunter auch Frauen und Kinder. Ich fühle mit den Opfern — und fühle zugleich die Bestätigung einer furchtbaren Ahnung.
Denn im Buch hatte ich auch die Beobachtung formuliert, dass der Ethnonationalismus zur bestimmenden Form des digitalen Antisemitismus aufsteigt. So vertrat der spätere SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann — nach dem karriereförderlichen Aufbau einer verschwörungsmythologischen Freimaurer-Sammlung lange einen ethnonationalistischen Antisemitismus, erzwang und förderte die Umsiedlung von Jüdinnen und Juden nach Palästina wo sich dann Israel gründete und besuchte gemeinsam mit einem Vorgesetzten dazu sogar Haifa.
Auch zum Beispiel der norwegische Terrorist Anders Breivik vertrat einen ethnonationalistischen Antisemitismus, als er am Dabei hatte Breivik in seinem Online-Manifest bereits ausformuliert: Ihm genehme Juden zögen demnach nach Israel, um dort ihrerseits einen rassisch und kulturell möglichst einheitlichen Ethno-Staat aufzubauen.
Eine sozialdemokratische Jugendorganisation konnte für Breivik und andere Ethnonationalisten daher ebenso ein Terrorziel darstellen wie eine Moschee, Kirchen- oder Synagogengemeinde. Dass dann auch Robert Bowers am Der Ethnonationalismus verband und verbindet also Antisemitismus und Rassismus zu einem gewaltbereiten Verschwörungsglauben und behauptet:.
Dagegen erscheint Ethnonationalisten das Einstehen für globale Menschenrechte, Pressefreiheit, das Verbot von Folter usw. Schon im Juni hatte ich entsprechend über den ethnonationalistischen Verschwörungsmythos des sog. Die ungarischen, zutiefst ethnonationalistischen Soros-Juncker-Plakate und nun die Terrormorde von Christchurch, Neuseeland, bestätigen inzwischen meine schlimmsten Befürchtungen.
Obwohl noch viele Informationen fehlten, formulierte ich diese Sorgen vor dem Ethnonationalismus gestern morgen dann auch im SWR1 Leute-Interview. Roma, Afrikanisch, Indisch, Türkisch, Semitisch, oder Andere. Also tatsächlich: Auch hier purer rassistischer und antisemitischer Ethnonationalismus. Der Ethnonationalismus entwickelt sich in rasender Geschwindigkeit zur global und digital dominierenden Variante des heutigen Antisemitismus und Rassismus.
Und wieder bewahrheit sich: Wer eine vermeintliche Weltverschwörung vernichten will, vor dem ist keine Menschengruppe sicher. Die terroristische Gewalt gegen Migrantinnen und Muslime, gegen Demokratinnen und Juden, gegen Gottes- und Medienhäuser entspringt den gleichen, psychologischen Wurzeln wie schon die älteren Formen des Rassismus und Antisemitismus auch.
Gerade auch diese Form des Verschwörungsglaubens bedroht uns tatsächlich alle. Hat auch in Krisenregionen manches erlebt und überlebt, seit Beauftragter der Landesregierung BW gg. Könnte alles so zumindest : halbwegs stimmen, lieber Herr Dr. Michael Blume, Ihr Langzeit-Kommentatorenfreund Dr. Webbaer hat mehrfach quergelesen , drei Anmerkungen :. Webbaer sich in Ungarn ein wenig auskennen, nationalistisch gemeint in dem Sinne, dass sich Ungarn, es darf sich erinnert werden, historisch, auch i.
Versuchen Sie doch bitte gar nicht erst, hier semantische Verwirrung zu stiften. Sie müssten doch wissen, dass dies hier nicht verfängt. Ganz abgesehen von der massiven Judenfeindlichkeit, dem Antiziganismus und Rehabilitierung ungarischer Faschisten werden auch afrikanische, christliche, yezidische etc. Migranten abgelehnt. Also, bitte. Stimmt, siehe oben.
Anders Breivik richtete seinen ethnonationalistischen Verschwörungsglauben v. Mag ja gut gemeint sein, aus liberaler Sicht regt Dr. Sicherlich bleiben Sie hier im liberalen Sinne sorgsam. MFG Dr. Damit wir uns also richtig verstehen: Die Meinungsfreiheit wird alleine durch jene beschädigt, die sie zur Verbreitung von Hass, Terror und Ethnonationalismus missbrauchen. Und, ja, ich trete sehr deutlich dafür ein, dass unser Rechtsstaat hier sehr viel massiver und wehrhafter einschreitet.
Es ist schon zu lange gezögert worden. Ich hoffe sehr, dass wir diesmal schlauer sind und nicht erst wieder den Zusammenbruch unserer verbleibenden Demokratie n abwarten…. Es waren sechs Millionen. Niemand sollte Eichmann kleiner machen als er war. Selbst Hannah Arendt ist auf ihn hereingefallen:. Eichmann gilt als Organisator. Aber er war viel mehr.
Er war Ideengeber, Praxisfinder, Innovator, und zwar von Anfang an. Er wird in Wien nicht auf einen Posten gerufen. Er schafft sich diesen Posten. Er galt als ein schöpferischer Antibürokrat, der neue Ideen entwickelt, der vor Kreativität geradezu sprüht, wenn es darum geht, die Judenverfolgung zu radikalisieren.
Dadurch wird er berühmt, und zwar im ganzen Reich. Und seine Zentralstelle war auch nicht nur für Auswanderung, also Vertreibung zuständig. Es ging ebenso um Terror, Erpressung, Beraubung, Haft, Folter.
Medienspiegel 17. März 2019
Was ihn so bekannt macht, auch unter seinen Opfern, sind seine Findigkeit und seine Macht, sein Einfluss auf Vorgesetzte. Er hatte Sondervollmachten über jüdische Konten in Österreich, erdachte ungünstige Wechselkurse, um jüdischen Besitz zu plündern. Wann immer die Judenverfolgung in ein neues Stadium tritt: Eichmann ist dabei. Wir fallen schon auf ihn herein, wenn wir Eichmann auf sein Referat IV B 4 reduzieren.
Sein Referat hat über die Jahre verschiedene Bezeichnungen gehabt und viele Funktionen. Freilich wurde Eichmann wegen konkreter Taten verurteilt, wie der Deportation Hunderttausender aus Ungarn nach Auschwitz. Broder sind. Zu Herrn Dr. Eichmann wiederum hat mit besonderer Empathie und wissenschaftlichem Interesse sozusagen dem Judentum nachgespürt und diesbezüglich Bildung gesucht, auch hier kann bedarfsweise recherchiert werden.
Gaming-Minister Seehofer und der ewige Verdacht | Übermedien
Webbaer der sich vom lieben Herrn Dr. Blume nicht immer richtig verstanden sieht und darum bittet möglichst genau auf das zu achten, was ausgesagt worden ist, diesbezüglich sozusagen zu essentialisieren und nicht zu kontextualisieren. Keine Sorge, Webbaer — die Schwierigkeiten und Gefahren digitaler Kommunikation waren hier ja mehrfach Thema. Und es freut mich, durch Dialog und manchmal auch Widerrede Reflexionen auszulösen.
So haben Sue hier schon länger nicht mehr getrollt und sich gar für Unangemessenes entschuldigt. Jetzt taucht er in der Form von Ethnonationalismus wieder auf. Ich finde Ihren Hinweis auf Ethnie und Volk sinnvoll, weil wir im aktuellen Sprachgebrauch beide Begriffe mit unterschiedlichem Hintergrund betrachten. Auch die EU als Ganzes ist betroffen.
Man schaue nur mal auf Katalonien.
Ein starkes Zeichen der Solidarität
Die Belgier scheinen ja ihre Ressentiments untereinander beigelegt zu haben. Vielen Dank, bote19! Inhaltlich bin ich voll bei Ihnen. Der Ethnonationalismus in der beschriebenen Form erscheint mir auch als fürchterlich. Ich sehen keinen Sinn darin, den Nationalstaat kulturell und biologisch abzuschotten.
Neuseelands Premierministerin: Ein starkes Zeichen der Solidarität
Terroristen einladen ist ungut, aber auf eine Handvoll gewalttätige Islamisten kommen Millionen friedliebende Einwanderer. Die Terroristen sind Arbeit für die Polizei, Angst um mich habe ich dabei nicht. Die wenigen Anschläge auf ein Land mit 80 Millionen Einwohnern verteilt sind praktisch ein Null-Risiko.
Wenn das aber zum Anlass genommen wird, die Überwachung aller Bürger im Land zu komplettieren, dann ist das richtig Übel. Wenn man die Hälfte der Flüchtlinge, die in ihre Heimatländer zurückkehren können, wieder abzieht, bleiben immer noch 3 Millionen übrig. Muss das sein? Die neuen Mitbürger konkurrieren eher um unqualifizierte Arbeitsplätze, und um Wohnraum im eher unteren Komfortbereich.
Dass diese zu recht nicht begeistert ist, sollte man dabei mal bedenken.