Verspotten psychologie
Wer sich für Umweltschutz oder gesellschaftlich Benachteiligte einsetzt, wird von anderen oft belächelt oder verspottet oder gar beschimpft. Warum das so ist, und was Betroffene dagegen tun können — dazu hat die Sozialpsychologie über viele Jahre hilfreiche Forschungserkenntnisse erarbeitet. Zu den Zielen solcher Beschimpfungen zählen etwa die Bewohner:innen einer nachhaltig orientierten Genossenschaftssiedlung in Zürich oder ein Grünen-Politiker, der nach dem jüngsten IPCC-Bericht zum Handeln auffordert.
Und natürlich Klima-Aktive wie Greta Thunberg, die wie wohl kaum sonst jemand mit Hass und Häme regelrecht überschüttet wurde. Die Caritas versucht das abschätzige G-Wort umzudrehen und ausdrücklich positiv zu besetzen: Alle Abbildungen in diesem Text sind Motive einer Werbekampagne des katholischen Sozialverbandes aus dem Jahr ; Quelle: Deutscher Caritasverband.
Zu Beschimpfungen können weitere negative Reaktionen hinzukommen, wie Vorurteile, Diskriminierung im Alltag z. Warum gute und gut gemeinte Taten so negative Reaktionen hervorrufen und wie man diese reduzieren kann, dazu hat die sozialpsychologische Forschung eine Reihe von Erkenntnissen zu bieten. Ein Konflikt kann auch entstehen, weil der Konsum von Tieren in Form von Fleisch schlecht mit der Tierliebe vereinbar ist, die die meisten Menschen für sich in Anspruch nehmen Rothgerber , Rothgerber Menschen erleben derartige Konflikte als unangenehm.
Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, die eigenen Verhaltensweisen zu ändern — aber dies ist häufig der deutlich schwierigere Weg Rothgerber , Rothgerber Menschen streben nach einem positiven Selbstbild, und dazu gehört auch, dass man eine moralische Person sein will Steele, Das lässt sich sogar physiologisch in Form von Veränderungen im Herz-Kreislauf-System nachweisen: So erhöht beispielsweise die Selbst- Erkenntnis, etwas Unmoralisches getan zu haben, den Puls Cramwinckel et al.
Der Bezug zur Moral scheint bei diesem Prozess zentral zu sein. Denn wenn gute Taten aus nichtmoralischen Motiven erfolgen z. Fleischverzicht aufgrund von geschmacklichen Vorlieben oder gesundheitlichen Überlegungen oder dem unterstellten Ziel, anderen Menschen eine Lebensweise vorschreiben zu wollen , dann bleibt das eigene moralische Gerüst eher unangetastet Cramwinckel et al.
Gemessen an dem, was die Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich tut, sind prosoziale oder umweltfreundliche Meinungen und vor allem Taten ja oft die Ausnahme: Unter Erwachsenen in der Schweiz finden sich beispielsweise nur fünf Prozent, die sich fleischlos ernähren. Der Anteil autofreier Haushalte in Österreich liegt bei einem Viertel.
Und selbst der beachtliche Anteil von 43 Prozent, der in einer deutschen Befragung dem Klima zuliebe künftig aufs Fliegen verzichten will , stellt strenggenommen noch eine Minderheit dar und wenn es ums wirkliche Umsetzen dieses Vorsatzes geht, dürfte die Zahl noch schrumpfen. Interessanterweise ist die Abneigung gegen mehrheitswidriges oder unkonventionelles Verhalten teilweise so stark, dass sie sogar dann auftritt, wenn das abweichende Verhalten eigentlich etwas Positives wäre und auch der kritisierenden Partei zu Gute käme, z.
Hier spielt einmal der Begriff der deskriptiven Normen eine Rolle: Menschen lernen Normen, indem sie beobachten, wer welche Konventionen befolgt und wer sich in welchen Bereichen der Mehrheit widersetzt. So wird klar, welche Einstellungen und Vorlieben es unter den Mitmenschen gibt und welche von welchen sozialen Gruppen verkörpert werden Kurz et al.
Typischerweise sind Menschen Mitglieder mehrerer Gruppen.
Warum spottet der Mensch u. macht sich über andere Lustig? (Psychologie, Menschen)
Und je nachdem, wo man ist, was man gerade tut, oder mit wem man spricht, rückt eine bestimmte soziale Identität in den Vordergrund. Die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen beeinflusst das Denken, Fühlen und Verhalten von Menschen. Eine Folge der emotionalen Verbundenheit mit den eigenen sozialen Gruppen ist entsprechend, dass diejenigen, die zu anderen Gruppen gehören, benachteiligt werden; das geschieht ohne böse Absicht, quasi als Nebenwirkung der Identifikation mit der eigenen Gruppe Balliet et al.
Psychologische Prozesse rund um soziale Identität können also zumindest teilweise Vorurteile und Animositäten zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen erklären. Beispielsweise können Streitereien über unterschiedliche Moralvorstellungen und insbesondere das Infragestellen der moralischen Integrität der eigenen Gruppe dazu führen, dass negative Gefühle aufkommen.
Und diese Gefühle können wiederum zu feindseligen Handlungen wie Beschimpfungen führen. Aus den Befunden der Sozialpsychologie lassen sich jedoch Strategien ableiten, die helfen könnten, über wichtige ethische Standards in der Gesellschaft zu sprechen, ohne feindselige Reaktionen auszulösen. Diese Strategien setzen genau an dem Punkt an, der die entsprechenden Attacken auslöst: Nämlich beim Gefühl der Bedrohung — sei es, weil man fürchtet, geliebte Dinge nicht mehr tun zu können oder weil man nicht als Mensch mit niedrigen moralischen Ansprüchen betrachtet werden will.
In Studien wird das typischerweise so erreicht, dass Menschen an Dinge denken, die ihnen viel bedeuten oder auf die sie stolz sind z.
Der neue Generationenkonflikt
Lebensziele, Freundschaften, eigene Kompetenzen, gute Taten. Eine solche Selbstbestätigung verleiht innere Sicherheit, erhöht das Vertrauen in andere und macht aufgeschlossener. Dadurch wird es einfacher, sich Argumente anzuhören, die für einen selbst irgendwie bedrohlich sind; sie zu prüfen, die eigene Meinung zu ändern, mit Andersdenkenden zu verhandeln, Kompromisse mit ihnen einzugehen und Fehlverhalten von sich oder der eigenen sozialen Gruppe anzuerkennen.
In der Kommunikation könnte man Selbstbestärkung beispielsweise so einsetzen, dass man in einem Gespräch das Gegenüber zuerst über berufliche oder sportliche Erfolge sprechen lässt oder nach der letzten guten Tat fragt und erst dann heikle Themen anspricht. Erste Studien zum Umgang mit gesundheitlichen Risiken zeigen jedoch, dass Selbststärkung des Publikums auch hier die gewünschte Wirkung zeigen kann.
Beispielsweise könnte man Menschen rhetorisch fragen, inwiefern sie bestimmte wünschenswerte Eigenschaften besitzen z. Um erst danach etwaige Kritik anzubringen. Statt Menschen vor der Konfrontation mit bedrohlichen Informationen zu bestärken, ist es auch denkbar, ihnen danach die Gelegenheit zu geben, moralisch zu handeln.
So können Menschen mit bedrohtem Selbstwert bestätigen, dass sie moralische Personen sind, wodurch die Tendenz sinkt, andere zu diskriminieren Does et al. Eine weitere Strategie besteht darin, Bedrohung gar nicht erst aufkommen zu lassen. So sollte darauf verzichtet werden, moralische Argumente zu verwenden, wenn ein bestimmtes Verhalten gefordert wird. So vermeidet man die Abwehrreaktionen, die auftreten, wenn Menschen das Gefühl bekommen, als unmoralisch hingestellt zu werden.
Das dürfte am besten funktionieren, wenn man Menschen auch gleich aufzeigt, was sie genau tun können. Eine Studie mit Vegetarier:innen zeigt, dass diese solche und ähnliche Strategien bereits nutzen, um Mitmenschen nicht in unangenehme Situationen zu bringen: In Gesprächen mit Fleischesser:innen behalten sie ethische oder moralische Bedenken für sich, betonen stattdessen gesundheitliche Vorteile und sprechen auf eine Art und Weise über das Thema, dass Fleischesser:innen nicht den Eindruck bekommen, etwas falsch zu machen.
Warum spottet der Mensch u. macht sich über andere Lustig?
Manche halten Gespräche zum Thema Vegetarismus kurz oder weichen ihnen ganz aus. Weil konfliktreiche Beziehungen zwischen sozialen Gruppen zur Problematik beitragen, bietet es sich bisweilen an, von sozialen Identitäten abzulenken. Jedenfalls sollte man möglichst oft so kommunizieren, dass sich möglichst viele Menschen angesprochen fühlen Kurz et al.
Oder man versucht andere, gemeinsame Werte anzusprechen Gerechtigkeit, Sicherheit usw. Goldberg et al. Home Fakten besser vermitteln Neues zum Thema. Sozialforschung aktuell. Die Caritas versucht das abschätzige G-Wort umzudrehen und ausdrücklich positiv zu besetzen: Alle Abbildungen in diesem Text sind Motive einer Werbekampagne des katholischen Sozialverbandes aus dem Jahr ; Quelle: Deutscher Caritasverband Zu Beschimpfungen können weitere negative Reaktionen hinzukommen, wie Vorurteile, Diskriminierung im Alltag z.
Spott – Wikipedia
Und mit Moral eher sparen Statt Menschen vor der Konfrontation mit bedrohlichen Informationen zu bestärken, ist es auch denkbar, ihnen danach die Gelegenheit zu geben, moralisch zu handeln. Adrian Gadient-Brügger. Meldungen zum Thema "Scheinheilige Klimaschützer" - wie umgehen mit dem Heuchelei-Vorwurf? Tweet Share Mail.