Vier lebensphasen psychologie

Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung ist ein entwicklungspsychologisches Modell des Psychoanalytikers Erik H. Erikson — und seiner Ehefrau und geistigen Weggefährtin Joan Erikson — Erikson beschreibt in diesem Stufenmodell die psychosoziale Entwicklung des Menschen. Diese entfalte sich im Spannungsfeld zwischen den Bedürfnissen und Wünschen des Kindes als Individuum und den sich im Laufe der Entwicklung permanent verändernden Anforderungen der sozialen Umwelt.

Eriksons Entwicklungstheorie spricht den Beziehungen bzw. Im Vergleich zu Freuds Modell gibt er dem Unbewussten der psychosexuellen Dimension weniger Raum. Erikson erweiterte damit auf der Grundlage der Freudschen Phasen infantiler Triebentwicklung die Psychoanalyse um die psychologische Dimension der Ich- und Identitätsentwicklung im gesamten Lebenslauf.

Jede der acht Stufen stellt eine Krise dar, mit der das Individuum sich aktiv auseinandersetzt. Die Stufenfolge ist für Erikson unumkehrbar. Die erfolgreiche Bewältigung einer Entwicklungsstufe liegt in der Klärung des Konflikts auf dem positiv ausgeprägten Pol. Sie ist für die Bewältigung der nächsten Phase zwar nicht unbedingt erforderlich, aber hilfreich.

Die vorangegangenen Phasen bilden somit das Fundament für die kommenden Phasen, und angesammelte Erfahrungen werden verwendet, um die Krisen der höheren Lebensalter zu verarbeiten. Dabei wird ein Konflikt nie vollständig gelöst, sondern bleibt ein Leben lang aktuell, war aber auch schon vor dem jeweiligen Stadium als Problematik vorhanden.

Für die Entwicklung ist es notwendig, dass er auf einer bestimmten Stufe ausreichend bearbeitet wird, damit man die nächste Stufe erfolgreich bewältigen kann. Hierzu ist das Kind auf die Verlässlichkeit der Bezugspersonen angewiesen. Die Bindung zu der Mutter und die damit verbundene Nahrungsaufnahme spielt eine bedeutende Rolle, da sie als erste Bezugsperson die Welt repräsentiert.

Werden dem Kind Forderungen nach körperlicher Nähe, Sicherheit, Geborgenheit, Nahrung etc. Hier entsteht die Gefahr der Etablierung eines Ur-Misstrauens. Fixierung durch zu starke orale Frustration zeigt sich in oralen Charakterzügen wie Reizhunger, Gier, Leere-Gefühle, Depression, Ur-Misstrauen, starken Abhängigkeitswünschen. Beschrieben werden die zunehmende Autonomieentwicklung des Kindes und ihre Bedeutung für die Manifestierung eines positiven Selbstkonzeptes bzw.

Stadium 1 voraus. Hier spielt Erikson zufolge die Emotion Scham eine wichtige Rolle. Die weitgehende oder permanente Einschränkung der explorativen Verhaltensweisen des Kindes führt dazu, dass es seine Bedürfnisse und Wünsche als schmutzig und nicht akzeptabel wahrnimmt. Findet das Kind mit vier oder fünf Jahren zu keiner bleibenden Lösung seiner Autonomieprobleme, steht es Erikson zufolge bereits vor der nächsten Krise.

Die symbiotische Beziehung zwischen Mutter und Kind öffnet sich, und das Kind erkennt die Bedeutung anderer Personen im Leben der Mutter. Weiter geht es in erster Linie um eine gesunde Meisterung der kindlichen Moralentwicklung. Denn das Gewissen des Kindes kann primitiv, grausam und starr werden, wie sich gerade am Beispiel von Kindern beobachten lässt, die sich mit einer Abschnürung ihrer Triebe durch Verbote abfinden mussten.

Gegebenenfalls verinnerlicht das Kind die Überzeugung, dass es selbst und seine Bedürfnisse dem Wesen nach schlecht seien. Es kann auch zu einer Überkompensation kommen, ständig initiativ sein zu müssen, als bestünde ihr Wert nur in der eigenen Leistung. Schuldkomplexe, Übergewissenhaftigkeit sowie hysterische Symptome können hier ebenso entstehen. Kinder in diesem Alter wollen zuschauen, beobachten, teilnehmen und mitmachen; sie wollen, dass man ihnen zeigt, wie sie sich mit etwas beschäftigen und mit anderen zusammenarbeiten können.

Das Bedürfnis des Kindes, etwas Nützliches und Gutes zu machen, bezeichnet Erikson als Werksinn bzw. Sie wollen etwas herstellen z. In dieser Phase kann sich im Kind ein Gefühl der Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit entwickeln, zum Beispiel wenn der Werksinn des Kindes überstrapaziert wird. Überschätzung — egal ob vom Kind oder von seiner Umwelt ausgehend — kann zum Scheitern führen, Unterschätzung zum Minderwertigkeitsgefühl.

Lebensphasen des Menschen nach Lievegoed

Fixierungen können entstehen: zum einen Ängste Angst vor dem Arbeiten und Leisten, Angst vor Versagen und zum anderen Überkompensationen Arbeits- und Pflichtversessenheit, um Anerkennung durch Arbeit und Leistung zu erhalten. Aufgabe des Jugendlichen ist es, all sein Wissen über sich und die Welt zusammenzufügen und ein Selbstbild zu formen, das für ihn und die um ihn existierenden, also normgebenden, gesellschaftlichen Konventionen tolerabel ist.

Seine soziale Rolle gilt es zu finden. Mit einer noch nicht gefestigten eigenen Identität kann der Jugendliche sich im seltensten Fall von der Meinung seiner Peer-Group absetzen und seine eigene Meinung bilden. Schafft der Jugendliche es nicht, seine Rolle in der Gesellschaft und seine Identität zu finden, führt das nach Erikson zu Zurückweisung.

Wird dieser Konflikt erfolgreich ausbalanciert, so mündet das in die Fähigkeit der Treue. Obwohl die Gesellschaft nicht perfekt ist, kann man in ihr leben und seinen Beitrag leisten, sie zu verbessern. Das Gleiche gilt für zwischenmenschliche Beziehungen. Fixierungen zeigen sich in unbefriedigender Identität durch Unruhe, ewige Pubertät und vorschnelle Begeisterung.

Die Identitäten sind gefestigt, und es stehen einander zwei unabhängige Egos gegenüber. Es gibt viele Dinge im modernen Leben, die dem Aufbau von Intimität entgegenstehen z. Wird zu wenig Wert auf den Aufbau intimer Beziehungen was auch Freunde etc. Wird diese Stufe erfolgreich gemeistert, ist der junge Erwachsene fähig zur Liebe.

Damit meint Erikson die Fähigkeit, Unterschiede und Widersprüche in den Hintergrund treten zu lassen.

Lebensphase – Wikipedia

Fixierungen können sich zeigen in: Selbst-Bezogenheit und sozialer Isolation und Selbstaufopferung. Erikson zählt dazu nicht nur eigene Kinder zu zeugen und für sie zu sorgen, er zählt dazu auch das Unterrichten , die Künste und Wissenschaften und soziales Engagement. Stagnation ist das Gegenteil von Generativität: sich um sich selbst kümmern und um niemanden sonst. Stagnation führt dazu, dass andere uns ablehnen und wir andere.

Niemand ist so wichtig wie wir selbst. Wird die Phase erfolgreich abgeschlossen, hat man die Fähigkeit zur Fürsorge erlangt, ohne sich selbst dabei aus den Augen zu verlieren. Der letzte Lebensabschnitt stellt den Menschen vor die Aufgabe, auf sein Leben zurückzublicken. Anzunehmen, was er getan hat und geworden ist, und den Tod als sein Ende nicht zu fürchten.

Angst vor dem Tod oder auch der Glaube, noch einmal leben zu müssen, etwa um es dann besser zu machen, führen zur Verzweiflung. Wird diese Phase jedoch erfolgreich gemeistert, erlangt der Mensch das, was Erikson Weisheit nennt — dem Tod ohne Furcht entgegensehen, sein Leben annehmen und trotzdem die Fehler und das Glück darin sehen können. Fixierung zeigt sich in Abscheu vor sich und anderen Menschen oder unbewusster Todesfurcht.

Erik H. Erikson hat in seinen Arbeiten vor allem versucht, den klassischen Interpretationsrahmen der Psychoanalyse — die psychosexuelle Lebensgeschichte — um die psychosoziale und die psychohistorische Dimension zu erweitern. Diese Bemühung geschah im Rahmen der Entwicklung der psychoanalytischen Ich-Psychologie.

Eriksons Phasenlehre psychosozialer Entwicklung wurde intensiv unter der Perspektive der 5. Stufe, des Konfliktes von Identität und Identitätsverwirrung, rezipiert. Besonders Pädagogik und Soziologie haben den Ansatz der Identität aufgegriffen und diskutiert. Entwicklungspsychologisch wegweisend ist die empirische Operationalisierung des eriksonschen Identitätsbegriffs durch James E.

Marcia hebt die Bedeutung zweier Säulen der Identitätsbildung bzw. Unzureichende Exploration führt zu identity foreclosure , d. Fehlendes Commitment Verpflichtung auf eine bestimmte Identität führt zu identity diffusion , aufgeschobenes Commitment zum Status des moratorium. Gelungene Identitätsfindung wird von Marcia als achievement bezeichnet. Die klassische Psychoanalyse hat den Ansatz Eriksons bis in die er Jahre weitgehend ignoriert, sowohl aufgrund seiner Abgrenzung vom freudschen Modell als auch aufgrund der Unschärfe des Identitätsbegriffs.

Erst seitdem gibt es Ansätze, Identitätsansätze, Ich- und Selbstpsychologie miteinander in Austausch zu bringen. Eine Ausnahme bildet das Werk des Psychoanalytikers Arno Gruen , der Eriksons Begriff der Autonomie seit Ende der 60er Jahre in den Mittelpunkt seiner therapeutischen und kulturkritischen Überlegungen zur Entwicklung des Selbst gerückt hat.

Lothar Krappmann , der selbst zur Bekanntheit der Identitätstheorie Eriksons in Deutschland beigetragen hat, stellte jedoch die Gültigkeit des Modells angesichts postmoderner Lebensverhältnisse in Frage. Diese Verhältnisse gefährdeten den Erfolg des für Erikson zentralen Bemühens um Identität und Kontinuität. Weiterhin hinterfragte Krappmann Eriksons These von den gesellschaftlichen Laufbahnen, auf denen Jugendliche in eine kollektive Zukunft gelangen und auf Kontinuität vertrauen könnten.

Diese Entwicklung sei angesichts der Auflösung traditionaler Rollen, des Wertewandels und der Individualisierung der Lebensverhältnisse nostalgisch. Kategorien : Entwicklungspsychologie Psychoanalyse. Navigationsmenü Meine Werkzeuge Nicht angemeldet Diskussionsseite Beiträge Benutzerkonto erstellen Anmelden. Namensräume Artikel Diskussion. Ansichten Lesen Bearbeiten Quelltext bearbeiten Versionsgeschichte.

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