Psychologie menschen die wüst mit pflanzen umgehen

Und das macht die Selbstdefinition sehr viel schwieriger. Identität — ein Rollenspiel "Es stimmt sicher, dass Identität heutzutage differenzierter gesehen wird, und dass es vor allem wichtiger ist. Frag doch die anderen! Wer bist du? Siegmund Freud und mit ihm die Psychoanalyse hat ja das "Ich" besonders im Blick. Identität sei zunächst "ein Gefühl für die eigene Person", ein unverzichtbarer Aspekt der menschlichen Entwicklung in der Abgrenzung von anderen Menschen.

Identität entwickelt sich in einem immerwährenden Dialog mit den Anderen, wie es der amerikanische Soziologe George Herbert Mead nannte. Eva Jaeggi: "Sehr viel wird natürlich von der Umwelt produziert, so wie man schon als kleines Kind von den Eltern und anderen wichtigen Personen benannt wird: ein gutes, ein böses Kind, ein lebhaftes Kind, ein stilles Kind, das sind alles Benennungen und Begriffe, mit denen eine Person sich auch irgendwann identifiziert, das geht natürlich dann die ganze Entwicklung hindurch mit Kollegen, mit Geschwistern, bis hin zur Liebesbeziehung, und das können sehr destruktive Zuschreibungen sein und sehr konstruktive.

Deshalb wurde wissenschaftlich auch besonders die Identitätsentwicklung bei Jugendlichen untersucht, weil man annahm, dass der Entwicklungsprozess irgendwann zu einem Ende kommt — man sprach dann von einer "gefestigten Persönlichkeit". Heute liegt die Betonung auf der lebenslangen Veränderlichkeit. Der Sozialpsychologe Heiner Keupp spricht von der "Patchwork-Identität" des heutigen Menschen, die immer gekoppelt ist an die jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen, auch an eine gesicherte ökonomische Basis.

Die Psychologin Eva Jaeggi stellt in ihrem Buch verschiedene — wie sie es nennt — "typisch moderne Identitäten" vor, zum Beispiel die Single-Identität, etwas, das es erst seit wenigen Jahrzehnten gibt: "Es hat immer schon Alleinstehende gegeben, sie wurden ganz anders konnotiert. Als etwas seltsam oder verschroben oder einfach von ihrem sozialen Habitus her unmöglich zu heiraten, also das waren ganz andere Zuschreibungen, und wir sind noch immer in einer Phase, wo dieses Dasein als Single sehr unterschiedlich bewertet wird.

Menschen etwa ab 65 sehen sich noch vielfach konfrontiert mit früheren Stereotypen — negative wie: alt gleich schwach oder unnütz, aber auch positive wie: alt bedeutet weise und ehrwürdig. Die Psychoanalytikerin hört in ihren Therapiegesprächen viele Fragen: "Wie man sich in diesem Alter zu kleiden hat, kann man sich da noch tätowieren lassen, geht man viel zum Arzt oder joggen und Skifahren, also das sind sehr, sehr unterschiedliche Bilder, und sehr viele Menschen vor allem in der Mittelschicht, die ja auch wirklich oft gesund und kräftig sind, haben das Gefühl, das passt auf mich überhaupt nicht, das Wort Alter, und andererseits müssen sie zugeben, jung bin ich natürlich auch nicht mehr.

Oft ist es auch notwendig, das Leben anders, neu zu organisieren, etwa wegen eigener Krankheit oder Partnerverlust. Oder das, was man dann doch notwendigerweise eingestehen muss an Altersgebrechen, so in einer Perspektive zu sehen, die zeigt, dass man weise geworden ist, dass man damit umgehen kann. Doch für viele bedeutet der Wegfall der haltgebenden Strukturen auch eine Überforderung.

Sie versuchen sich immer wieder in neuen Rollen und verlieren sich dabei ganz. Richard David Precht spricht in seinem Buch "Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? Es gibt natürlich immer noch Menschen, die die haben, aber mehrheitlich entwickelt sich die Gesellschaft in die Richtung, dass wir uns nicht mehr ein Leben lang mit einer bestimmten Rolle identifizieren. Sondern dass wir uns eigentlich vor allem Dingen dadurch identifizieren, dass wir nicht wie alle anderen seien wollen.

Ich bin anders — Digitale Identität "Die Menschen wollen ins Internet und wissen, was ihre Freunde machen. Also bau' ich ne Website, die das anbietet. Ich rede davon, sämtliche Erlebnisse im College online zu stellen. Viele User präsentieren heutzutage im Web ihre Identität, ihr Profil. Und das ist meist nicht virtuell im Sinne von künstlich.

Stefan Humer, Leiter des Arbeitsbereichs Internetsoziologie an der Universität der Künste Berlin sagt, das Digitale sei Teil unserer Lebenswirklichkeit Also ich kann durch die Gestaltungsmöglichkeiten, die Digitalisierung mir bietet, einfach ganz viele Dinge meines Selbst besser ausleben. Wenn ich zum Beispiel räumlich etwas nicht ausleben kann, einfach weil das in meinem Umfeld nicht geht, also bestimmte Leuten für bestimmte Spiele oder Veranstaltungen zu treffen, dann kann ich das immerhin noch online ausdifferenzieren und mir da meinetwegen anschauen, wie es ist, ein bestimmter Fan von irgendetwas zu sein oder ähnliches.

Für Miriam Meckel, Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Uni Graz, sind die Chancen der Ich-Findung im Netz dagegen eher gering. Bei der "Internet-Identität" gebe es einen Zwang zur Selbstoptimierung: Nicht "Wer bin ich? Das führt dazu, dass Menschen im Netz ihr Profil immer wieder den jeweiligen Anforderungen anpassen.

Stefan Humer meint allerdings: "Es ist natürlich insgesamt trotzdem immer noch ein Riesenspielraum, und ob das unbedingt so ein Automatismus ist, dass man sich selber mehr nach den Vorgaben oder Erwartungen der Anderen richtet im digitalen Raum, da bin ich mir jetzt nicht so sicher, weil ich eben immer auch Fälle entdecke, wo es Leute gibt, die schon sehr, sehr viel eigene Ideen und Eigeninitiative einbringen und das auch umsetzen können.

Und richtig gefährlich ist Identitätsdiebstahl im Netz. Im Internet bleibt das Profil quasi für immer — und es ist auch sichtbar für Menschen, die von diesem Teil meiner Person nichts wissen sollen, zum Beispiel Arbeitgeber.

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Und deswegen ist es natürlich jetzt hilfreich, sich jetzt damit auseinanderzusetzen. Woher kommst Du wirklich? Kulturelle Identität "Wir sind hier geboren, Deutschland, wir sind ein Teil davon. Und ihr wollt uns ständig sagen, dass wir nicht dazu gehören. Ihre Eltern kommen aus dem Iran beziehungsweise aus Montenegro, sie haben zwei Staatsangehörigkeiten, sind zweisprachig aufgewachsen, muslimisch erzogen, gut in der Schule — zwei ganz normale Jugendliche aus Fulda eben.

Guck mal alle meine Freunde, sie sind deutsch so wie du.

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Doch vor allem angesichts der weltweiten Migration verwischen sich Merkmale immer mehr. Die Soziologin Dr. Naika Foroutan ist stellvertretende Direktorin des "Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung" an der Humboldt-Universität Berlin. Sie hat zwei aktuelle Studien gemacht, welche die Wirkungen der Migration auf den Prozess der Identitätsbildung in Deutschland untersuchen.

Im Fokus der ersten Studie: muslimische Migranten der zweiten und dritten Generation. Selbst- und Fremdwahrnehmung fallen auseinander. Viele sehen eben anders aus, haben fremd klingende Namen und werden entsprechend auch angesprochen — Woher kommst du eigentlich? Die Studie unter dem Namen "Heymat" — geschrieben mit "Y" — hat gezeigt, dass es sehr verschiedene, sich überschneidende Selbstzuschreibungen gibt,"hybride" Identitäten.

Zuerst die"Einheimigkeit": Menschen, die sich eindeutig zugehörig fühlen. Und dann hatten wir auch noch diejenigen, die sich vollkommen verweigert haben irgendeiner Form nationaler oder religiöser oder ethnischer oder kultureller Kategorisierung, die haben dann einfach gesagt: 'Ich bin ich. Ich bin Weltbürger.

Und ich bin einfach Mensch'. Die Mehrheit zeigt Sehnsucht nach eindeutiger Zugehörigkeit. Dies hat offenbar vor allem damit zu tun, dass in Deutschland die Kombination muslimisch und Migrantenkind negativ besetzt ist — mit der Folge zunehmender Desintegration gerade bei Jugendlichen. Oft führt dies auch zu einer bewussten "Gegenidentität".

Dabei wird auf eine muslimische Tradition zurückgegriffen, die zunächst gar nicht existierte, sagt Naika Foroutan. Dass sie in der Schule als Muslime angesprochen wurden, und sich dann angefangen haben zu bilden oder in irgendeiner Form der Religion zuzuwenden. Auch die zweite Studie der Berliner Migrationsforscher hat gezeigt, dass diese Zugehörigkeitsbeschreibung "wir Deutsche" und "die Ausländer" noch sehr verbreitet ist, und dass insbesondere Muslime als negativer Gegenpol zur eigenen Identität gesehen werden.

Was und wer also ist deutsch? Wenn man das nicht hat, kann man noch so gut die Sprache sprechen, den Pass haben, trotzdem wird man zu dieser nationalen Kategorie von 40 Prozent der Bevölkerung nicht hinzugezählt. Wohl sinnfälligstes Beispiel ist die Diskussion um Christian Wulffs Ausspruch von "Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland.

Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland. Die Gegenrede des damaligen CSU-Innenministers Friedrich: "Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt. Pegida arbeitet wie alle nationalistischen Bewegungen mit der Idee, dass Identität etwas Unveränderliches ist.

Diese Ideologie fragt nicht: "Wer bin ich? Einwanderung mit positiven Folgen ebenso wie mit Problemen ist alltäglich: In der Bundesrepublik leben fast 17 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, davon haben etwa neun Millionen die deutsche Staatsangehörigkeit. Für die Soziologin Dr. Naika Foroutan sind postmigrantische Gesellschaften "Aushandlungsgesellschaften": "Es wird Verteilungskämpfe geben, der Ton wird sich verschärfen.

Und in diesen Gesellschaften gibt es sowohl jene, die sehr, sehr stark nach Eindeutigkeiten streben, denen die Ambivalenz einfach schwer ertragbar ist, und es gibt andere, die spielerischer damit umgehen können, und wiederum dazwischen gibt es welche, die sich vielleicht Eindeutigkeiten wünschen, aber ganz pragmatisch sagen: 'die Gesellschaft hat sich verändert, und Deutscher ist heute auch, wer einen nicht deutsch klingenden Namen hat oder wer eben phänotypisch anders aussieht, als man sich früher Deutsche vorgestellt hat'.

Mehrdeutigkeit zu akzeptieren ist eine Herausforderung, die nicht immer angenehm ist. Frag doch die anderen". Aber was ist dieses "Ich"? Gibt es einen unveränderlichen Kern der Identität?