Definition vorurteil psychologie

Fans aus aller Welt schauen und feiern zusammen das Sportspektakel. Vorurteile begleiten unseren Alltag. Jeder hat Vorurteile - nur man selbst nicht. Wie ist dies möglich? Wieso erkenne ich die Vorurteile bei anderen, aber meine eigenen nicht? Warum verteidige ich mich gegen den Vorwurf, ich hätte dieses oder jenes Vorurteil und versuche, mein Urteil als realitätsgerecht zu beweisen?

Ist ein Vorurteil also etwas Falsches oder gar Schlechtes? Gibt es nicht auch positive Voreingenommenheiten? Im Alltagsverständnis gebrauchen wir den Begriff Vorurteil, um ausgeprägte positive und negative Urteile oder Einstellungen eines Mitmenschen über ein Vorurteilsobjekt zu bezeichnen, wenn wir diese für nicht realitätsgerecht halten und der Betreffende trotz Gegenargumenten nicht von seiner Meinung abrückt.

Da wir in unseren Urteilen zumeist nur unsere Sichtweise wiedergeben und Urteile fast immer gewisse Verallgemeinerungen enthalten, sind in jedem Urteil Momente des Vorurteilshaften zu finden. In dieser Allgemeinheit ist der Begriff Vorurteil aber wenig brauchbar. Deshalb hat die Vorurteilsforschung, im Wesentlichen die Psychologie, die Sozialpsychologie und die Soziologie, ihn stärker eingegrenzt und von anderen Urteilen und Einstellungen abgehoben.

Der Vorurteilsbegriff ist wesentlich durch seinen normativen, moralischen Gehalt bestimmt. Demnach unterscheiden sich Vorurteile von anderen Einstellungen nicht durch spezifische innere Qualitäten, sondern durch ihre soziale Unerwünschtheit. Vorurteile lassen eine faire Abwägung der jeweils besonderen Umstände vermissen, unter denen Mitglieder anderer Gruppen bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigen.

Unsere Definition, die diese Aspekte der "sozialen Unerwünschtheit" einbezieht, schränkt den Vorurteilsbegriff in doppelter Weise ein: Er steht nur für negative Einstellungen obwohl positive Verallgemeinerungen wie "Die Juden sind intelligent" auch falsch sein können und ist nur auf Einstellungen zu Menschen, genauer Menschengruppen, bezogen.

Vorurteile sind demnach stabile negative Einstellungen gegenüber einer anderen Gruppe bzw. Auf Grund dieses normativen Gehalts sind Vorurteile nicht absolut, sondern nur relativ auf ein bestehendes Wertsystem hin zu definieren, nämlich als Abweichung von den Wissens- und Moralstandards einer Gesellschaft. Der Bestand an Vorurteilen hat sich also im Laufe der Geschichte verändert und ist je nach sozialen Gruppen Schichten, Ethnien, Religionsgemeinschaften verschieden.

Was heute für jedermann als lächerliches Vorurteil gilt zum Beispiel der Hexenglaube , hat einmal zu den unbestrittenen Gewissheiten von Kirche, Wissenschaft und Öffentlichkeit gehört.

Vorurteile Psychologie (Psychoanalyse): Psychologie

Dies führt zu dem Problem, das jeder kennt, wenn über "Vorurteile" gestritten wird: Jede Konfliktpartei gibt für ihre Sicht Beispiele, führt Erfahrungen an oder erzählt Geschichten wie: "Ich kenne Türken, die wollen gar kein Deutsch lernen Da Vorurteile eng mit dem positiven Selbstbild, mit dem Eigennutz und mit Gruppenkonflikten verbunden sind, gibt es zumeist keine dritte "objektive" Instanz, sodass der Wahrheitsgehalt der Urteile strittig bleibt.

Wie soll man die Behauptung von Rechtsextremisten überprüfen, "die Juden hätten zu viel Macht"? Gegenbeispiele richten bekanntlich wenig aus, da man sie als Ausnahmen abwerten kann. Das Erkennen von Vorurteilen hängt demnach von der Fähigkeit und der Bereitschaft ab, die eigenen Urteile und Bewertungen kritisch auf ihre Rationalität, ihre Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit zu prüfen und die möglicherweise abweichenden Perspektiven anderer einzubeziehen.

Da man gewöhnlich von seinen eigenen Vor- Urteilen fest überzeugt ist, zumal wenn sie wichtige Züge der eigenen Person oder Gruppe betreffen, ist die Überwindung von Vorurteilen ein langwieriger und schmerzhafter Prozess des Umlernens. Häufig ist er mit der Aufgabe von Dominanz und nicht gerechtfertigten Privilegien verbunden.

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Auch in der europäischen Geschichte ist die Fähigkeit zur Kritik der eigenen Weltanschauung und Dominanz ein - oft schwieriger - Prozess hin zu Selbsterkenntnis und Pluralismus gewesen. Die Forderung nach religiöser Toleranz war eng mit der nach einer vorurteilsfreien Haltung verbunden, nämlich auch andere religiöse Überzeugungen zuzulassen.

Die Kritik der Aufklärungsphilosophie im Jahrhundert richtete sich besonders gegen den dogmatischen Anspruch der Religionen auf wahre Urteile. Gegenüber dem Vorwurf, sich auf Betrug und Unwissenheit zu stützen, musste sich die Religion nun vor der Vernunft rechtfertigen. Die Aufklärer haben damit eine der zentralen Fragen formuliert, welche die Vorurteilsforschung bis heute beschäftigt, nämlich die nach der Manipulation von Vorurteilen - als "interessenbestimmte Lügen"- im Dienste bestimmter Interessen.

Die heutige Vorurteilsforschung untersucht die Funktionen dieses "falschen" Denkens. Offenbar unterliegen Vorurteile nämlich keinen besonderen Denkgesetzen, sondern folgen den allgemeinen psychischen Regeln des Denkens, Fühlens und Handelns siehe folgenden Abschnitt. Eine Reihe anderer Theorien versucht zu erklären, wie die individuellen Unterschiede der Empfänglichkeit für Vorurteile zu erklären sind.

Andere Theorien fragen nach dem Einfluss der Dynamik von Gruppenbeziehungen auf die Entwicklung von Vorurteilen, während sich wieder andere mit ihrer Weitergabe von einer Person zur nächsten befassen. Kann sich der Einzelne gegen eigene und fremde Stereotype wappnen, oder ist er ihnen hilflos ausgeliefert? Was passiert, wenn man Vorurteile unterdrückt?

Solche Themen behandeln drei von der DFG geförderte Projekte, an denen er beteiligt ist und die alle ineinander greifen. Als er seine Probanden hinterher dem Assoziationstest unterwarf, zeigte sich, dass die Intensität ihrer Vorurteile nicht etwa schwächer, sondern stärker geworden war. Werden Vorurteile unterdrückt, wirken sie umso massiver, lautet Försters Hypothese.

Ein anderes Phänomen, dem er in seinen Projekten nachgeht, ist das der Selffulfilling Prophecy, der »sich selbst erfüllenden Prophezeiung«. Stereotype beeinflussen nicht nur das Denken derer, die sie aussprechen, sondern auch diejenigen, auf die sie gemünzt sind. So schnitten blonde Studentinnen bei Intelligenztests immer dann schlechter ab, wenn man ihnen zuvor Blondinenwitze erzählt hatte.

Selbst wesentlich subtilere Einflüsse zeigen Wirkung. Wenn Frauen vor dem Lösen mathematischer Aufgaben einen Fragebogen mit persönlichen Angaben ausfüllen und darin auch ihr Geschlecht angeben müssen, zeigen sie schlechtere Leistungen. Umgekehrt schnitten Männer im Vergleichstest schlechter ab, wenn ihre Sprachkompetenz gefragt war. Dass Misserfolgserwartungen die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, ist seit den frühen er Jahren bekannt.

Försters Forschung geht einen Schritt weiter. Er konnte zeigen, dass Leistungen nicht generell, sondern nur in bestimmter Weise gemindert werden. Wurde diese Aufgabe als »Stickarbeit« angekündigt, arbeiteten die Frauen meist schneller als Männer, allerdings auch weniger sorgfältig. Wurde die Arbeit dagegen als technische Aufgabe ausgegeben, war der Effekt umgekehrt: Die Männer absolvierten sie schneller, aber schlampiger.

Positive Konditionierung, glaubt Förster, wirkt sich nicht nur auf die Schnelligkeit, sondern auch auf die Kreativität günstig aus; eine negative Voreinstellung dagegen schärft die Genauigkeit, Selbstdisziplin und Analysefähigkeit. Im Rahmen seines dritten DFG-Projekts will er diese Hypothese überprüfen. Alle Vorurteilstheorien nehmen an, dass die Einstellung einer Gruppe gegenüber mit den Eigenschaften verbunden ist, die man als positiv oder negativ an ihr wahrnimmt.

Nehmen wir ein Beispiel. Die Tatsache, dass Juden im christlichen Europa über Jahrhunderte an ihrer Religion festgehalten haben, hat der christliche Antijudaismus negativ als "Verstocktheit" interpretiert, da sie sich nicht zum Christentum bekehren wollen. Gibt man jedoch den Bekehrungsanspruch auf und tritt den Juden nicht länger feindselig gegenüber, erscheint der gleiche Sachverhalt positiv als "Traditionsverbundenheit" und "Glaubensfestigkeit".

Dieses Beispiel zeigt, dass keine Übereinstimmung zwischen der Realität und unserer subjektiven Wahrnehmung bestehen muss. Zahlreiche Faktoren wie Interessen, Erfahrungen, Bedürfnisse und Motive bestimmen mit, was und wie wir etwas selektiv wahrnehmen. Die kognitive Psychologie hat eine Reihe von psychischen Effekten entdeckt, die die Bildung von Stereotypen festen Vorstellungsklischees , die Veränderung von Gedächtnisinhalten entsprechend unserem Vorwissen und die Einschätzung von Differenzen und Ähnlichkeiten zwischen Objekten beeinflussen.

Zur Orientierung in unserer Umwelt müssen wir Kategorien bilden, um die eintreffenden Informationen zu ordnen. So kategorisieren wir zum Beispiel eine Person nach ihrem Geschlecht, Alter oder ihrer Hautfarbe. Sie bevorzugten beim Spielen ganz deutlich Puppen mit heller Hautfarbe. Diese Kategorisierung war in der Gesellschaft so dominant, dass sie sogar von den dadurch diskriminierten afroamerikanischen Kindern angewendet wurde.

Gewöhnlich enthalten bereits die Grundformen sozialer Kategorisierung Momente stereotyper Wahrnehmung und die eigene Gruppe begünstigende Vorurteile:. Die Beurteilung von Personen wird systematisch verzerrt, indem wir sie bestimmten Gruppen zuordnen. Die Mitglieder innerhalb einer Gruppe werden als ähnlicher beurteilt, als sie tatsächlich sind, während die Unterschiede zwischen den Angehörigen verschiedener Gruppen überbewertet werden.

Insbesondere wenn der Urteilende selbst Mitglied einer der Gruppen ist, überschätzt er die Homogenität seiner Eigengruppe. Wenn ich also glaube, ein anderer Mensch habe ähnliche Überzeugungen wie ich, erscheint er mir sympathischer als jemand, bei dem ich von Differenzen ausgehe. Stereotypes Denken wird auch dadurch befördert, dass wir Mitglieder der eigenen Gruppe differenzierter betrachten auch wenn wir sie nicht besser kennen als Mitglieder einer anderen Gruppe.

Ein Beispiel ist die Wahrnehmung von Kriminalität: Während wir bezüglich der Eigengruppe bei Straftaten nach Alter, sozialer Schicht, Deliktarten, belasteten Stadtteilen usw. Mitglieder fremder Gruppen werden jedoch nicht nur stereotyper, sondern im Positiven wie Negativen auch extremer beurteilt, da wir über sie weniger wissen als über die Eigengruppe. Das Betteln deutscher Obdachloser etwa wird mit mehr Verständnis betrachtet als das rumänischer Roma, die man schnell als "kriminelle Simulanten" verurteilt.

Schlechte Schulleistungen von Einwanderern werden zum Beispiel nicht ungünstigen sozialen und familiären Verhältnissen der Kinder zugerechnet, sondern gelten als Zeichen für niedrigere Intelligenz und Faulheit. Vorurteile entstehen also, weil für Unterschiede zwischen Gruppen nicht Unterschiede in ihren Lebensbedingungen verantwortlich gemacht werden, sondern innere, unveränderliche Ursachen.

Vorurteil – Wikipedia

Damit wird die Verantwortlichkeit ganz auf die betreffende Gruppe abgewälzt: Dann sind nicht die schlechten sozialen Verhältnisse an fortdauernder Armut, höherer Kriminalitätsrate und mangelnden Leistungen schuld, sondern die Zugehörigkeit zu einer "Rasse", Religionoder Nation. Diese Relativität der Eigenschaftszuschreibungen kann man in Europa entlang einer West-Ost und einer Nord-Süd-Achse verfolgen: Von Westen nach Osten hält sich jede westlichere Nation für zivilisierter und kultivierter als ihre östlichen Nachbarn.

Von Osten nach Westen gilt der jeweils westliche Nachbar als arrogant Besser-Wessi und oberflächlich. Von Norden nach Süden hält man den südlichen Nachbarn für temperamentvoller, aber auch für unordentlicher und unzuverlässiger als sich selbst, während in umgekehrter Richtung die nördlichen Nachbarn als stur, kühl und langweilig gesehen werden.

Diese im Vergleich gewonnenen Fremdbilder werden nicht bei jedem Kontakt neu entwickelt, sondern sind als "Gruppenkonzept" oder "Schema" gespeichert. Wir besitzen demnach Wahrnehmungsformen, die bei normalem Funktionieren eine gewisse Tendenz zur Stereotypie und Vorurteilsbildung aufweisen. Diese kognitive Dimension Stereotypenbildung ist jedoch nur eine Dimension des Vorurteils.

Individualpsychologische Theorien wie die Psychoanalyse, die Theorie der autoritären Persönlichkeit und Frustrations-Aggressionstheorien konzentrieren sich stärker auf die emotionale Dimension Antipathie. Die Tatsache, dass Vorurteile so schwer aufzugeben sind, deutet darauf hin, dass sie wichtige psychische Funktionen für die Lösung emotionaler Konflikte besitzen.

Eine starke Persönlichkeit löst Konflikte rational oder lernt, Frustrationen bis zu einem gewissen Grad hinzunehmen. Dagegen wählt ein schwaches Ich entweder passive Konfliktlösungen und flüchtet sich in Teilnahmslosigkeit. Es verdrängt den "Frust" oder benutzt aktiv vorurteilsfördernde Abwehrmechanismen: Es verschiebt seine Aggression auf Ersatzobjekte Verschiebung oder sieht in anderen seine eigenen negativen Züge Projektion.

Der Frust über die eigene Arbeitslosigkeit, deren strukturelle Ursachen mit aggressivem Handeln nicht zu beseitigen sind, wird personalisiert und auf ein Ersatzobjekt "die Ausländer" umgelenkt, das dann zum Ziel der verschobenen Aggression wird. Aggressionsverschiebungen treten also immer dann auf, wenn die Aggression sich nicht gegen die eigentliche Ursache richten kann, sei es dass.

Negative Gefühle und Aggressionen werden dann auf Personen oder Gruppen umgelenkt, von denen aufgrund ihrer Machtlosigkeit Widerstand und Bestrafung nicht zu erwarten sind. Genau diese Eigenschaft - und nicht etwa spezifische andere Merkmale - machen schwache Minderheiten zum bevorzugten und austauschbaren Opfer Sündenbocktheorie. Rechtsextreme Jugendliche haben nicht nur etwas gegen linke Antifaschisten, sondern auch gegen Ausländer, Juden, Obdachlose, Behinderte und Homosexuelle.

Der Abwehrmechanismus der Projektion sieht bei anderen Menschen Eigenschaften und Regungen, die eine Person bei sich selbst nicht akzeptieren kann, weil sie als "schmutzig" oder "sündig" gelten. Studien über männliche Jugendgangs haben gezeigt, dass diese typischerweise die Männer einer konkurrierenden ethnischen Gruppe zugleich als sexuell aktiv und potenzielle Vergewaltiger sowie als "schwul" diffamieren.

Psychologen sehen darin einen Hinweis auf unterdrückte eigene Triebwünsche, die auf andere projiziert und dann dort bekämpft werden. Wie oben gesagt, spielt ein schwaches Ich, ein gering ausgebildetes Selbstvertrauen eine wichtige Rolle, das seinen Ursprung in frühkindlichen Identitätsbildungsproblemen hat: in ungelösten Autoritätskonflikten mit dem Vater Ödipuskonflikt , in einer autoritären, strafenden, lieblosen und wenig auf die Interessen des Kindes eingehenden Erziehung oder aber im Fehlen einer emotionalen Bindung des Kindes an seine Eltern.

Während sicher-autonome Persönlichkeiten mit Konflikten sachlich umgehen können, tendieren autoritäre Persönlichkeiten dazu, ihre Konflikterfahrungen mit der Familie und der Eigengruppe abzuwehren Realitätsverleugnung und Verweigerung von Selbstbeobachtung und sie statt dessen auf aggressive Weise gegen-über Schwächeren abzureagieren Projektion, Aggressionsverschiebung.