Psychologie gemeinsamer feind

Inhaltsübersicht Kurzzusammenfassung Erweiterte Begriffserklärung Beispiele Literatur Zitiervorschlag. Freund-, Gegner- und Feindbegriffe sind Teil der Politischen Kommunikation. Sie bilden die Pole eines breiten Spektrums von kommunikativen Zeichen, mit denen politische Akteure sich selbst und ihre politischen Gegner im Kampf um beschränkte Ressourcen auf dem diskursiven Schlachtfeld positionieren.

Möglich wird das, indem Diskurs beteiligte über ein gemeinsames stereotypes Wissen über das sprachliche, visuelle usw. Repertoire von sozialen bzw. Vor allem Schlagwörter Fahnen- und Stigmavokabeln, Hochwert- und Unwertvokabeln, Ideologievokabular u. Parteifarben, Wappen und Gesten z. Der Kampf um die Bedeutung dieser und ähnlicher Ausdrücke spiegelt den Kampf um die Legitimation von politischen Positionen und deren öffentlichen Sichtbarkeit wider.

Feilke Zugleich sagt die Wahl bestimmter kommunikativer Zeichen und die damit einhergehende Abwahl von Alternativen etwas darüber aus, wie der Sprecher oder Schreiber seine Adressaten oder Dritte sozial einordnet: Zum Beispiel ist der Wechsel vom Duzen zum Siezen in der Schule oft ein Signal dafür, dass die Schülerinnen und Schüler nunmehr als Erwachsene verstanden sein sollen; und umgekehrt ist der gemeinsame Wechsel vom Sie zum Du im formellen Kontext oft ein Signal dafür, dass die Beteiligten die förmliche Distanz reduzieren der einseitige Wechsel dagegen ein Signal, dass der Sprecher eine asymmetrische Beziehung, also ein Machtgefälle der Kommunikanten unterstellt.

In der soziolinguistischen und sprachsoziologischen Forschung werden die sprachlichen Ausdrücke, kommunikativen Zeichen und Handlungsmuster Praktiken untersucht, mit denen Menschen eine gemeinsame soziale Realität konstruieren, sich und anderen bestimmte Eigenschaften Alter, sexuelle Orientierung, kulturelle Herkunft, Bildungsstand, Prestige, soziale Rolle etc.

Lucius-Hoene und Deppermann Dabei sind die wahrnehmbaren Ausdrücke Laute, Schriftzeichen, visuelle Zeichen und ihre sozialsymbolische Bedeutung prinzipiell austauschbar kontingent , basieren aber in Sprachgemeinschaften auf Konventionalisierungen. Aus der Beobachtung solcher Sprachstereotype lassen sich die sozialen Ordnungsschemata rekonstruieren z.

Auch Freund- und Feindkategorien zählen zu einem solchen kollektiven Sprach- und Sozialwissen und sind essenzieller Teil der Politischen Kommunikation. Sie bilden die Pole eines breiten Spektrums von kommunikativen Zeichen, mit denen politische Akteure sich selbst und ihre politischen Gegner im Kampf um beschränkte Ressourcen auf dem diskursiven Schlachtfeld positionieren, also sichtbar und identifizierbar machen.

Aus der Perspektive einer Interessensgruppe heraus betrachtet, gestaltet sich dieses diskursive Ordnungsfeld der politischen Kommunikation wie folgt:.

Mein Feind ist dein Feind?? (Liebe und Beziehung, Psychologie, Freundschaft)

Mitglieder der politischen Eigengruppe klassischerweise aufgerufen durch das exklusive Wir besitzen aus Sicht dieser Eigengruppe volle Legitimität, sich an der öffentlichen politischen Debatte zu beteiligen und sich bzw. Wer aus Sicht der Eigengruppe zu einer politischen Gegnergruppe gehört, dessen Legitimität zur Durchsetzung eigener Interessen und Ordnungsvorstellungen wird bestritten und mit Techniken der politischen Kommunikation bekämpft.

Zu ihm gibt es keine semantische Brücke, nur situative Hindernisse, seine avisierte Vernichtung sofort zu vollziehen. Die Ausdehnung der diskurssemantischen Teilfelder Freund-, Gegner-, kontaminiertes Gegner- und Feindfeld wird geprägt von den historischen Umgebungsbedingungen z. Kriegs- vs. Friedenszeiten , der politischen Grundverfassung z. Das Bundesverfassungsgericht bringt dies — in Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus — durch eine Art.

Aus Sicht des Verfassungsrechts bildet der Freiheitsentzug Inhaftierung die Grenze legitimer Fremdgruppen-Verortung. Berliner Gazette Es erhebt vielmehr den Anspruch, dasjenige in schematisierter Form abzubilden, was durch die politischen Diskursakteure und ihre musterhafte Kommunikationspraxis als soziale Ordnung reproduziert wird und sich als solche beobachten und beschreiben lässt.

Was sind also die sprachlichen Muster politischen Ordnungsvokabeln und kommunikativen Praktiken Handlungstypen , mit denen Diskursakteure diese abstrakte soziale Ordnung aufrufen und Positionen von Eigen- oder Fremdgruppe identifizieren? Hermanns , und Burkhardt Prototypische Beispiele: Demokratischer Sozialismus der SPD; Internationale Solidarität der Arbeiterbewegung in der zweiten Hälfte der er Jahre; ökologisch und basisdemokratisch als Leitbegriffe der Grünen in ihrer Gründungszeit; Black Lives Matter als Slogan behördlich diskriminierter afroamerikanischer Bevölkerungsgruppen u.

Für ihre Abbildung im obigen Schaubild müsste eine temporale dritte Dimension eingeführt werden. Indem Stigmavokabeln das gegnerische Programm aufrufen, sind sie zugleich eine Konzession an die Fremdgruppe und ihre Geltungsreichweite. Sie weisen die referierte Fremdgruppe als prinzipiell diskursfähig relativ legitim aus. Prototypische Beispiele: Altpartei zur negativen Bewertung der etablierten Parteien und ihrer Politik; Gutmensch zur Diskreditierung von Asyl-Befürwortern im Kontext der Flüchtlingsbewegung in den er Jahren; Herdprämie als Stigma-Alternative der Kritiker zum CSU-Programmwort Betreuungsgeld Aus einer Vogelperspektive betrachtet handelt es sich um Ausdrücke, die durch ihren vielfachen öffentlichen Gebrauch von verschiedenen gegnerischen Interessensgruppen ihre programmatische Bedeutung weitestgehend verloren haben.

Auch semantisch im Wesentlichen auf Affirmation und konnotativen Wohlklang zielende Selbstqualifizierungen Leistungsträger , Verantwortungsträger gehören hierzu. Es lassen sich verschiedene Untergruppen von Unwertvokabeln beobachten:. Hierzu gehört auch, Angehörige der Gegnergruppe pauschalisierend auf gesellschaftlich unerwünschte Funktionen zu reduzieren z.

Deklassierungs- und Diffamierungsvokabeln sind in der politischen Kommunikation oft in ritualisierte und damit normalisierte Kampf- Inszenierungen eingebettet z. Das ist bei einer auf Exkommunikation oder gar Feind-Markierung zielenden Verwendung nicht mehr der Fall! Vogel ; Knobloch ; andere Beispiele jüngerer Zeit: Sympathisant , Querfront , besorgte Bürger , Impfskeptiker , Esoteriker , Coronaleugner , Putin-Versteher ; Troll in der internetbasierten Kommunikation.

Sie dienen darum weniger der konfrontativen Auseinandersetzung mit der Fremdgruppe und dort vertretenen handlungsleitenden Konzepten , sondern vielmehr zur Disziplinierung der Eigengruppe. Mausfeld 74 f. Der erfolgreiche Einsatz von Kontaminationsvokabeln schafft daher auch situativ eine latente Verdachtssemantik gegenüber allen legitimen Diskursagenten: eine falsche Diskurshandlung, und man riskiert den Ausschluss aus der Eigengruppe.

Genau darin liegt das sozialdisziplinierende Moment. Auch gibt es wohl entlang moralischer Wertehierarchien eine Eskalationstreppe der Abwertungen und Kontamination: so wiegen ritualisierte Kriminalisierungen Wolfgang Schäuble als Gauner oder Infantilisierungen Piratenpartei sei politisch unreif einer Fremdgruppe weniger schwer als ihre Pathologisierung Zu Trump: Ist der US-Präsident psychisch krank?

Dies gilt für alle Arten der im latenten Krieg nicht-ritualisiert gebrauchten dehumanisierenden Appellativa Barbar , Monster, Bestie, Ungeziefer, Abschaum, Zecke usw. Hierzu gehören etwa sozialsymbolische Zeigewörter wie die da oben , wir da unten ; links vs. Manche Attribute ermöglichen eine relative Positionierung divergenter Gruppen unabhängig von jeglicher Programmatik etwa verfeindet, rivalisierend, verbündet ; andere lexikalische Diskurspositionierer enthalten zumindest Spuren programmatischer Orientierung säkular , nationalistisch , liberal , neoliberal , konservativ usw.

Die oben skizzierten sprachlichen Feldpositions-Anzeiger stehen selten für sich alleine, sondern werden begleitet und auch oft illustriert mit visuellen Zeichen, Bildcollagen usw. Fahnenvokabeln können zum Beispiel zu Stigma- und Unwertvokabeln umgedeutet sozialistisch , politisch korrekt oder semantisch entleert werden lexikalisches Diffundieren ; umgekehrt können Diffamierungsvokabeln aufgewertet und affirmativ besetzt werden Ich bin ein Radikaler!

Historisch betrachtet gehen Reflexionen über Freund-Feind-Schemata auf die erste Hälfte des Jahrhunderts zurück. Der vielzitierte und zugleich ob seines Engagements für die Nationalsozialisten des 3. Mit diesem Ansatz, so spätere Kritik vgl. Narr 36 , wird das Politische stark verkürzt, denn er unterstellt eine Diskurskonstellation, die keine Graustufen, sondern apriori nur die bipolare Welt des latenten Krieges kennt.

Der Grundmodus des Alltagspolitischen ist in Friedenszeiten aber gerade nicht der einer Freund-Feind-Konfrontation im gewaltsamen Kampf um Leben und Tod, sondern die politische Kommunikation in unterschiedlichsten Formen und Schattierungen, fähig sowohl zur Eskalation als auch zu Kompromiss und Interessensausgleich.

Eine tatsächliche oder strategisch konstruierte Bedrohung — insb. Im politisch-medialen Interdiskurs vgl. Knobloch , aber auch in der Wikipedia vgl. Vogel fungiert der Ausdruck Verschwörungstheoretiker allerdings als Ausgrenzungs- und Kontaminationsvokabel. Die erfolgreiche Qualifizierung eines Accounts als Troll-Account fordert von Mitgliedern der Eigengruppe nicht nur die Nicht-Beachtung seiner Aktivitäten, sondern legitimiert auch Sanktionen bis hin zum dauerhaften Ausschluss.

Die hochmoralische Aufladung der Debatte lässt die gegnerischen Gruppen teils zu unversöhnlichen Diffamierungs- und Pathologisierungsvokabeln greifen. Dass SprecherInnen teilweise widersprüchliche Gender-Formen verwenden oder sich oft selbst korrigieren, zeugt von Unsicherheit als Folge latenter Kontaminierungsgefahr z. Sozialgemeinschaft zu etablieren bzw.

Gruppenbeziehungen: Warum der Feind meines Feindes mein Freund ist

Zur Legitimierung der amerikanischen Invasion in den Irak seien durch die Bush-Administration Beziehungen zwischen Hussein und Al-Qaida bzw. Bin Laden konstruiert und von der Presse mehrheitlich ungeprüft übernommen worden. Wer als JournalistIn die offizielle Feindkonstruktion infrage stellte, riskierte zwischenzeitlich seine berufliche Karriere. Vogel, Friedemann : Freund- und Feind-Begriffe.

In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Veröffentlicht am Zurück zur Übersicht. Rassistisch motivierte Gewalt, Zerstörung des Regenwaldes, Gender pay gap: Damit politische Institutionen solche Probleme bearbeiten, müssen sie erst als Probleme erkannt und auf die politische Tagesordnung Agenda gesetzt werden.

Agenda Setting wird in Kommunikations- und Politikwissenschaft als eine Form strategischer Kommunikation beschrieben, mithilfe derer Themen öffentlich Gehör verschafft und politischer Druck erzeugt werden kann. Medien schaffen damit eine wesentliche Grundlage für Meinungsbildung und Meinungsaustausch. Macht ist die Fähigkeit, Verhalten oder Denken von Personen zu beeinflussen.

Sie ist Bestandteil sozialer Beziehungen, ist an Kommunikation gebunden und konkretisiert sich situationsabhängig. Alle expliziten und impliziten Regeln, Normen, Kräfteverhältnisse und Wissensformationen können aus diskursanalytischer Perspektive als Machtstrukturen verstanden werden, die Einfluss auf Wahrheitsansprüche und Sprach Handlungen in einer Gesellschaft oder Gruppe nehmen.

Normalismus ist der zentrale Fachbegriff für die Diskurstheorie des Literaturwissenschaftlers Jürgen Link.

Verhaltensforschung: Fatale Nächstenliebe | ZEIT ONLINE

Kollektives Wissen von sozialen Gruppen ist sowohl Voraussetzung als auch Ziel strategischer Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Es wird geprägt durch individuelle Erfahrung, aber auch in Diskursgemeinschaften kommunikativ geteilt — vor allem im Elternhaus, in Peergroups und Bildungseinrichtungen sowie durch Medienkonsum.

Werbung ist ein Kommunikationsinstrument von Unternehmen, das der Positionierung im Markt dient und je nach Situation des Unternehmens auf Einführung, Erhalt oder Ausbau von Marktanteilen und damit letztlich auf ökonomischen Gewinn abzielt. Medien werden vielfältig zur Durchsetzung von Macht verwendet. So in der Zensur, wenn eine politische Selektion des Sagbaren und des Unsagbaren stattfindet; in der Propaganda, wenn eine Bevölkerung von den Ansichten oder wenigstens der Macht einer bestimmten Gruppe überzeugt werden soll; oder in der Überwachung, die unerwünschtes Verhalten nicht nur beobachten, sondern unwahrscheinlich machen soll.

Sprachpolitik bezeichnet allgemein alle politischen Prozesse, die auf eine Beeinflussung der Sprachverwendung in einer Gesellschaft oder Sprachgemeinschaft abzielen. Unterschieden wird häufig zwischen Sprachenpolitik und Sprachpolitik im engeren Sinne. Im öffentlichen Diskurs findet sich häufig die strategische Behauptung, dass bestimmte Fakten oder Meinungen unsagbar seien.

Auf diese Weise wird zum Ausdruck gebracht, dass es Grenzen des Sagbaren gebe, die im öffentlichen Diskurs Geltung hätten. Unter Passivierung versteht man die Formulierung eines Satzes in einer grammatischen Form des Passivs. Das Passiv ist gegenüber dem Aktiv durch die Verwendung von Hilfsverben formal komplexer. Als Aufopferungs-Topos wird in der Diskursforschung ein Argumentationsmuster bezeichnet, das zwei strategische Funktionen erfüllen kann: einerseits kann es dazu dienen, mit der Behauptung eines besonderen Ressourceneinsatzes z.

Einsatz von Geld, Zeit oder emotionaler Belastung einen hohen Achtungswert für eine Person, eine Sache bzw. Andererseits können Akteure besondere Privilegien wie z. Wertschätzung, Entscheidungsbefugnisse und Mitspracherechte reklamieren, wenn sie sich für eine bereits in der sozialen Bezugsgruppe hochgeschätzte Sache engagieren. Der Analogie-Topos zählt zu den allgemeinen bzw.

Analogie-Topoi werden von verschiedenen Akteuren und Akteursgruppen strategisch eingesetzt, um eine zustimmende Haltung bei den Zielgruppen zu bewirken. Ein Negativpreis ist eine Auszeichnung an Personen oder Organisationen meist Unternehmen , die sich oder ihre Produkte positiv darstellen und vermarkten, ihre Versprechen aus Sicht des Preisverleihers allerdings nicht einhalten.

Dabei dient der Preis durch seine Vergabe vor allem dem Zweck, Aufmerksamkeit zu erregen, mediale Präsenz auf ein Thema zu lenken und den Preisträger in seinem moralischen Image zu beschädigen.