Psychologie geheimnisse bewahren

Ein Geheimnis zu haben, ist schon anstrengend genug — doch laut einer neuen Studie belasten uns auch fremde Geheimnisse. Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe das Geheimnis bislang für mich behalten und werde es auch weiterhin tun.

Psychologie: Ist es (un)gesund, Geheimnisse zu haben? | GUIDO

Aber schwer fällt es mir schon. Kein Wunder, würde Michael Slepian jetzt sagen. Der Psychologe der Columbia-Universität hat sich auf die Erforschung von Geheimnissen spezialisiert. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er seine bisherigen Erkenntnisse in einer umfangreichen Studie. Dafür hatte er Hunderte von Freiwilligen nach ihren Geheimnissen gefragt und wie sie mit ihnen umgingen.

Und dabei stellte Slepian fest: Etwas für sich zu behalten, belastete die Menschen seelisch erheblich. Aber nicht, weil sie ihr Wissen in bestimmten Situationen aktiv verbergen mussten.

Geheimnisse in der Beziehung: Was muss ich verraten?: SZ Magazin

Sondern weil sie sich im Alltag ständig dabei ertappten, dass sie an das Geheimnis dachten — und diese Bewusstmachung senkte das Wohlbefinden. Doch dieser Effekt tritt nicht nur bei eigenen Geheimnissen auf — sondern selbst dann, wenn jemand sein eigenes Geheimnis mit uns teilt, uns aber gleichzeitig eine Schweigepflicht auferlegt.

Wie nahe standen sie dieser Person? Wie oft dachten sie an das gemeinsame Geheimnis? Und waren sie letztendlich froh, Bescheid zu wissen — oder empfanden sie das Wissen als Bürde? Slepian bemerkte: Je näher sie der Person standen, die das Geheimnis mit ihnen geteilt hatte, desto häufiger dachten sie über das Geheimnis nach — aber das erhöhte sowohl die Bindung als auch die Bürde.

Entscheidend war vielmehr, um was für ein Geheimnis es sich handelte: Wenn es Personen aus dem gemeinsamen Netzwerk betraf, mussten die Freiwilligen es wegen ihres Schweigegelübdes aktiv verbergen.

»Sich Geheimnisse zu bewahren, macht einen als Partner spannend«

Doch genau diese loyalitätsbedingte Verschwiegenheit sorgte nicht für höhere Sympathie zum Erzähler des Geheimnisses, sondern nur für höheren Stress. Quelle: Michael Slepian und Katharine Greenaway Journal of Experimental Social Psychology. Band 78, Seite Zum Inhalt überspringen Ein Geheimnis zu haben, ist schon anstrengend genug — doch laut einer neuen Studie belasten uns auch fremde Geheimnisse.

Geheimnis , Geheimnisse , Michael Slepian.