Zum fressen gern haben psychologie

Stand: Von: Regine Seipel. Kommentare Teilen. In Nahrung steckt Zuwendung. Fast alle Kinder wollen daher Tiere füttern. Sarahs erster Liebling war ein Spatz.

Die Emotionen des Partners richtig lesen

Es dauerte lang, bis sie bereit war, zum Giraffenhaus weiterzugehen. Die Beziehung zum verbreitetsten Futternehmer in Tiergehegen litt dagegen unter Anlaufschwierigkeiten. Ein resoluter Bock hatte ihre Annäherungsversuche mit Nachdruck abgewehrt. Es dauerte Monate, bis sich die Kleine am Zaun wieder traute, die Finger voller Körner für hungrige Ziegen zu öffnen, und noch länger, bis sie zum ersten Mal an Papas Hand ein Streichelgehege betrat.

Danach gab es kein Halten mehr. Die Ziegen wurden zum begehrtesten Ausflugsziel, dessen Attraktion die kommenden zehn Jahre anhalten sollte. Der Bezug zu Tieren sei in Kindern angelegt, ihre Versorgung eine unmittelbare Zuwendung, die positive Erlebnisse vermittle. Kinder, die Angst vor Tieren haben, hätten das meist von ihren Eltern gelernt. Paul Dierkes, der Didaktik der Biowissenschaften an der Universität Frankfurt lehrt, sieht in der emotionalen Bindung, die sich im direkten Kontakt zwischen Kind und Tier festigt, auch einen nachhaltigen Aspekt: Kinder lernen eine respektvolle Haltung gegenüber Tieren und damit auch der Natur.

Im Opel-Zoo in Kronberg, mit dem Dierkes oft zusammenarbeitet, gibt es daher einen Streichelzoo-Führerschein. Kinder erfahren dabei unter anderem, dass man Tieren nicht nachrennen und sich weder auf Schafe noch Esel setzen soll. Beim Füttern lässt sich noch mehr lernen, zum Beispiel Umsicht nicht nur im Umgang mit dem Tier, sondern auch mit der Tüte.

Umweltfreundlich aus Papier gefertigt, hält sie den Strapazen eines längeren Rundgangs nur begrenzt stand. Sarah wollte den am Eingang gekauften Schatz nie aus der Hand geben. Bei jedem Gehege kramte sie im Gemisch aus Maiskörnern und Grünfutterpellets. Da lagen sie, die kostbaren Körner. Nur der Kauf einer weiteren Tüte konnte die Stimmung retten.

Auch Vorratshaltung lehrt die Tüte. Frust drohte an Sonntagen mit schönem Wetter. Nachmittags lagen Ziegen wegen des Besucheransturms satt und träge in ihren Rückzugsräumen und verweigerten konsequent jede Zuwendung. Trost konnten nur noch Wildschweine bieten. In den meisten Parks darf nur das Futter verabreicht werden, das an der Kasse verkauft wird.

Ich hab dich zum Fressen gern: higgs

In der Hauptsaison kann es vorkommen, dass das Streichelareal wegen Überfütterung ein paar Tage geschlossen bleibt. Montag ist meistens Hungertag. Bald wird im Hanauer Wildpark auch ein Teil des Damwildgeheges zum Durchspazieren geöffnet. Da riskieren gern auch mal gestandene Männer den direkten Blick in die braunen Samtaugen der Weibchen und lassen ihre Hand von weichen Lippen kitzeln.

Leider sind es oft die Falschen, die Nähe suchen. Kinder sind jedoch erstaunlich erfindungsreich, Darwins Gesetze auszutricksen. Einer lenkt mit geräuschvollem Rascheln der Tüte das Leittier ab, die anderen stecken derweil blitzschnell Ziegenbabys, Frischlingen oder Mufflonjungen die besten Körner zu. Gelingt das Ablenkungsmanöver, strahlen alle zusammen, auch die Eltern, die auf eine Lektion in Teamfähigkeit und Solidarität mit Schwächeren hoffen.

Teststrecke in Hessen verlängert: Ein Stück mehr E-Highway auf der A5. Streik in Gräfenhausen: Appell an die Staatsanwaltschaft. AfD eröffnet Landtagswahlkampf. Lust auf eine Entdeckungsreise? Auch interessant.